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ARCHIV Buchbesprechung: FACHWISSSENSCHAFT

Die Buchbesprechungen sind in einer Übersichtstabelle thematisch geordnet.

Die Buchbesprechungen sind nach dem ABC (Autor) angeordnet.

Rezensionen: KULTURWISSENSCHAFTEN

Empfehlungen von Prof. Dr. Waltraud Rusch (ab 2016)

  • Beaugrand, Andreas; Smolarski, Pierre (Hg.): Adbusting. Ein designtheoretisches Strategiehandbuch.
    2016, 287 Seiten, 24,99 €,
    ISBN 978-3-8376-3447-1,
    transcript:Bielefeld.

  • Adbusting – ein Anglizismus, der aus den englischen Wörtern ad (Kurzform von advertisment – dt. Werbung – und dem Verb to bust – zerschlagen) gebildet, und die Umgestaltung von Werbung im öffentlichen Raum meint. Diese Verfremdung erfolgt mit dem Ziel den Sinn dieser Werbung umzudrehen, sie zu verfälschen und sie z.T. auch lächerlich zu machen. Die Autoren definieren es so, dass es sich grundsätzlich um eine mediengestütze Kritik an der visuellen Umweltverschmutzung handele.

    In 15 Beiträgen werden Adbusting-Strategien aus der Praxis entwickelt, generalisiert und für die Anwendung in der Praxis nutzbar zu machen. Grundsätzlich ist Bild und Text verfremdbar. Markenzeichen werden manipuliert, Bildzeichen und Texte erzeugen ein anderes Empfinden, senden eine andere Botschaft aus – und das gewollt. Das Ziel ist, Werbung reflektiert wahrzunehmen und die Manipulation des Einzelnen aufzubrechen. Nicht alles was geschrieben steht, ist einfach nachzuvollziehen.

  • Der Leser sollte sich trotzdem darauf einlassen zur Reflexion der medialen Kommunikation im Alltag. Die gewählten Beispiele stammen aus Politik, Wirtschaft und Alltagsleben. Für Studierende der Verbraucherbildung ein anderer Zugang zu den Funktionen von Werbung.
    Die Farbgestaltung des Buches ist gewöhnungsbedürftig. Die Seiten wirken übervoll und unruhig. Man legt das Buch immer wieder weg, nimmt es aus Neugier aber stets wieder in die Hand. Man kann es sich auch in kleineren Portionen erarbeiten. Der Zugewinn an Wissen wird sicherlich sehr individuell sein.

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  • Beyes, Timon; Metelmann, Jörg (Hg.): Der Kreatitätskomplex. Ein Vademecum der Gegenwartsgesellschaft.
    2018, 279 Seiten, 24,99 €,
    ISBN
    978-3-8376-4510-1,
    transcript: Bielefeld.

     

  • Überall wird auf Kreativität gesetzt. Sie ist das Heilswort der Gegenwart. Man hat kreativ zu sein! Kreativität wird als soziales und kulturelles Phänomen festgestellt, das in Techniken geübt werden kann mit dem Ziel kreative Subjekte zu gestalten.

    Im Buch wird in 39 kürzeren und längeren Konzepten dieser Kreativitätskomplex untersucht und analysiert, in der Form, dass über Begriffe wie Atmosphäre, Farbe, Improvisation, Spiel über die ästhetische Verfasstheit nachgedacht wird. Das Buch stellt ein Glossar der Kreativität dar.

    Die einzelnen Beiträge sind alphabetisch angeordnet. Sie beginnen mit „Affektkultur“ und enden mit „Valorisierung“. Andreas Reckwitz – geistiger Vordenker mit der „Erfindung der Kreativität“ (2012) schließt den Reigen mit einem Postskriptum.

    Ich nehme aus meiner eigenen Profession exemplarisch die Aufsätze von Dirk Hohnsträter „Konsum“ und Claudia Mareis „Kreativitätstechniken“ heraus.

    Dirk Hohnsträters Absicht ist es, den Ort des Konsums innerhalb des Kreativitätsdisposites zu bestimmen. Nach Reckwitz ist ein Konsument „ein Subjekt, das nicht bloß Güter kauft und nutzt, sondern auch aktiv Bedeutungen, Erfahrungen und Emotionen produziert. Hohnsträter macht drei Formen von Konsum aus. Anverwandelnder Konsum ist die Umgestaltung und Umnutzung käuflicher Dinge durch Verbraucher. Unter kuratierendem Konsum versteht man die Praxis individueller Auswahl und überraschender Kombination von Waren der Konsument ist Künstler und Arrangeur.

     

  • Der koproduktive Konsum meint die Beteiligung von Konsumenten am Entwurf der Waren. Beispiele für den kreativen Umgang mit Konsumgütern bietet der Alltag. Die unterschiedlichen Formen des Konsums erwarten mehr oder weniger Aktivitäten des Konsumenten, die mehr oder weniger kreativ geartet sein kann. Insbesondere Online-Plattformen bieten hier reichlich Möglichkeiten. Hohnstäter stellt fest, dass es keinen Konsens in und um den kreativen Konsum gibt. Der fünfseitige, dichte Aufsatz bietet viel Diskussionsstoff und Denkanstöße zum Thema.

    Claudia Mareis stellt fest, dass kreativ sein eine Grundlage für spätmoderne Gesellschaften insgesamt ausgewiesen ist. „Die spielerische Leichtigkeit und der lässige Habitus, mit denen Kreativitätstechniken vielfach daherkommen,...., sind vielmehr eine soziale und gesellschaftliche Überlebensstrategie geworden. Kreativitätstechniken werden als Methoden und Vorgehensweisen definiert (Brainstorming, Synectics, Mindmaps, ...). Die Methoden zielen auf Ideenfindungs- und Problemlösungsprozesse ab, die ohne deren Anwendung evtl. nicht herbeigeführt werden würden. Kreativitätstechniken seien das Mittel, um das kreative Potential eines Menschen durch Training zu steigern. Damit leitet sich ab, dass Kreativität erlernbar sei. Der Sammelband erhellt und legt die Arbeit von Reckwitz aus.

    Ich sehe es als grundlegende Bedingung an, im Vorfeld Andreas Reckwitz „Erfindung der Kreativität“ zu studieren. Anschließend lässt sich jeder Beitrag in den Alltag übertragen und den Begriff der Kreativität im Fächer aller Phänomene tiefer betrachten.

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  • Bergmann, Roberta: Die Grundlagen des Gestaltens.
    2016, 288 Seiten, 39,90 €,
    ISBN 978-3-258-60149-6,
    Haupt:Bern.

  • Dieses Buch nimmt man gerne in die Hand. Die äußere Gestaltung ist ein Blickfänger, nicht nur die Buchdeckel regen zum Hineinschauen an, sondern auch die wundervolle Gestaltung des Beschnitts mit abgerundeten Ecken machen neugierig. Öffnet man das Buch, sieht man die liebevolle Gestaltung jeder einzelnen der 288 Seiten – eben ein Buch über Gestaltung, in dem das was drin ist, auch gezeigt und gelebt wird. Die mehrfach ausgezeichnete Grafikdesignerin lehrte und arbeitet u.a. als Illustratorin und Buchgestalterin. In diesem sehr breit angelegten Werk werden die Gestaltungsgrundlagen zusammengefasst und mit 50 praktischen Übungen ergänzt. Im Anhang finden sich Weiterlesen-Tipps und ein hilfreiches Stichwortverzeichnis.

  • Die einzelnen Kapitel sind didaktisch angelegt. Die Autorin nennt ihre großen Teile 1. Sehen lernen – Besonderheiten des Wahrnehmens als Gestalter, 2. Begreifen, anwenden, kombinieren, 3. Bewusstes Gestalten mit Methode. Hier finden sich die Gestaltungstheorien als auch die Farblehre wieder. Angetan ist man von den jeweils jedem Teilkapitel zugeordneten Praxisaufgaben, die das theoretisch aufbereitete in die Praxis münden lassen.

    Man muss sich als Leser und Lernender durch das Buch arbeiten und beeindrucken lassen. Ich kann nur sagen, das Buch in die Hand nehmen und sich durch Theorie und Praxis und Tipps führen lassen durch Gestaltung und Kreativität. Ein sehr lohnenswerter Akt, der zudem mit zahlreichen Abbildungen in schwarz/weiß und Farbe begleitet wird. Es ist ein sich fundiertes und gestalterisch positiv auffallendes Printobjekt.

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  • Ellwanger, Karen; Hauser, Andrea; Meiners, Jochen (Hg.):
    Trachten in der Lüneburger Heide und im Wendland.
    2015, 436 Seiten (49,90 €)
    ISBN 978-3-8309-3208-6
    Waxmann: Münster - New York

  • In derReihe „Visuelle Kultur. Studien und Materialien, im Auftrag der Kommission Fotografie der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde"werden mit Band 9 die Ergebnisse des Forschungsprojekt „Trachten in der Lüneburger Heide und im Wendland“ unter der Leitung von Karen Ellwanger vorgestellt.

    Trachten sind materielle Kultur in einer bestimmten Region, deren Interesse Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Verfall dieser Kleidungskultur in den Fokus geriet. Bis heute kann man in allen Regionen der Bundesrepublik die Bewegungen zum Erhalt der Trachten bis heute wahrnehmen. Die Globa- lisierung der Kleidungswelt konnte auch dies nicht aufhalten.

    Trachten sind immer ein Ausdruck einer regionalen Gesellschaft, deren Traditionen noch gepflegt und mit In- novationen durchdrungen sind. Andrea Hauser stellt hier vier große Museums- sammlungen vor, deren Texte, Bilder und Objekte in Bezug auf Trachten- forschung zusammengeführt werden.

  • Karen Ellwanger stellt gleich zu Anfang Thesen und Fragen zur Trachtenfor- schung heute vor.

    Zahlreiche Abbildungen in Schwarz-Weiß und Farbe stellen sich anschaulich neben die wissenschaftliche Texte, gegliedert in:Museale Überlieferung, Textilwis- senschaftliche Analysen, Visualisierung- en, Musealisierung, Formen des Folklor- ismus und Aktualisierungen.
    Insgesamt 19 Wissenschaftler und Wis- senschaftlerinnen bearbeiten das Feld der Trachten hin bis zu den Präsenta- tionen in der Gegenwart.

    Dieser sehr umfangreiche Projektbericht lässt Einblicke in die Welt des Textilen, deren Berufe und deren Bedeutungen zu. Interdisziplinär werden die einzelnen Aspekte zusammengeführt und nach de- ren Erhalt und Präsentationen in Museen, deren Aufgabe der Erhalt von materieller und immaterieller Kultur ist.
    Das gelungen Gesamtwerk dient her- vorragend als theoretische wie prak- tische Grundlage für weitere Aufarbei- tungen von Trachten aller Regionen.

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  • Fischer Dorothea:
    Lac Dye. Das königliche Rot aus der Natur Asiens
    2016, 160 Seiten (28,99 €)
    ISBN 978- 3-7392-6580-3
    BoD: Norderstedt

  • Die Autorin ist seit vielen Jahren Mitglied des Fachverbandes ...textil.. e.V. und schon immer eng mit Textilien verbunden. Jahrzehntelange Erfahrung im Färben gibt sie in Publikationen und auf ihrer Homepage weiter. Ihre Eltern besaßen eine Strumpffabrik, da lag es nahe den Beruf der Strickerin zu erlernen. Der Enthusiasmus, der ihr textiles Wirken begleitet, findet sich auch in „Lac Dye“ wieder.

    Lac Dye ist Laccainsäure, die als roter Farbstoff in Asien und auch Afrika bekannt ist. Er wird aus Schellackläusen gewonnen und somit zu den tierischen Farbstoffen zuzuordnen.
    Beeindruckend stellt sich uns der Rei- sebericht von Jenny Balfour-Paul durch Bhutan dar, in dem die Bedeutung des Lac Dye und Seide aufgezeigt wird.
    Weiter gewinnen wir einen Eindruck über die Kulturgeschichte dieses roten Farbstoffes insbesondere in der orien- talischen Teppichwelt.

  • Ausgesprochen Textilpraktisch wird es ab Kapitel fünf, wo wir in das Färben mit Lac Dye eingeführt werden. Die unter- schiedlichsten Rottöne können erzeugt werden. Die Rezepte werden in diesem anschaulich gestalteten Buch offenbart. Was man daraus machen kann? Interessante, gefällige Vorschläge in Form von Strickmodellen werden vorgestellt. Kurze Strickanleitungen sind beigefügt und können auf der Homepage von Dorothea Fischer Ergänzung finden. Insgesamt ist dieses Buch jeder Färberin, die sich der Farbe Rot verschrieben hat, zu empfehlen. Das ansprechende Cover inspiriert sofort.

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  • Fitzgerald, Tracy; Taylor, Alison:
    1000 Kleider. Formen, Stile, Stoffe.
    2015, 288 Seiten (39,90 €)
    ISBN 978-3-258-60118-2
    Haupt Verlag: Bern.

  • Das 2014 in London erschienene Buch liegt nun in deutscher Übersetzung vor. Es hat den Anspruch, Modeschülern, Profis und interessierten Laien eine um- fassende Zusammenstellung über einen der wichtigsten Bereiche des Mode- designs - das Kleid - zu geben.

    Jedes Kapitel der verschiedenen Klei- derformen ist unterteilt in

    1. Kontext (Entwicklung des Schnitts, einige historische Ereignisse, Mode- schöpfer, bezeichnende Beispiele)
    2. Entwurfdetails (Silhouette, bevor- zugte Stoffarten, Futter, Verschlüsse, Verzierungen, Formgebung)
    3. Nachschlagewerk (unterschiedliche Kleidervarianten, Besonderheiten der Modelle)

    Die Abschnitte zeigen u.a. Tageskleider, Shiftkleider, Hemdkleider, Sommer- kleider, Strickkleider, Mantelkleider, Abendkleider in ihren verschiedenen Ausformungen und bieten durch prä- zisierende knappe Erläuterungen der Fotos Anregungen für die eigene Ge- staltung.

  • Natürlich wird auf weitere Inspira- tionsquellen wie z.B. historische Klei- dung, bildende Kunst, andere Kulturen  hingewiesen. Ein umfassendes Glossar und Register ergänzen die Veröffent- lichung.
    An alle an der Mode seit 1945 Inter- essierten und Detailbegeisterten (Schnit- te, Stoffe, Gestaltung), Anregungen suchenden Textilerinnen:
    Das ist ein Nachschlagewerk für sie!

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  • Göbel, Hanna Katharina; Prinz, Sophia (Hg.):
    Die Sinnlichkeit des Sozialen.
    Wahrnehmung und materielle Kultur.
    2015, 463 Seiten, 32,99 €.
    ISBN 978-3-8376-2556-1.
    transcript: Bielefeld.

  • Das große Thema dieses Sammelbandes ist das Wahrnehmen.
    Insgesamt sind es 23 Autoren und Autorinnen, die in 19 Beiträgen in den Kapiteln 1. Die  affektive Macht der Dinge, 2. Die atmosphärische Kompo- sition von Architekturen, 3. Die Ent- grenzung künstlerischer Praktiken, 4. Die Professionalisierung sinnlicher Ex- pertisen und 5. Herausforderung und Potentiale einer Soziologie der Sinne platziert sind. Aus der Perspektive der Mode- und Textilwissenschaften bzw. der Kulturwissenschaften greife ich exemplarisch einige Aufsätze heraus, die gerade auch die soziale und sinnliche Komponente des Textilen aufgreifen oder auf diese übertragen werden können.

    Hans Peter Hahn greift in seinem „Wuchern der Dinge“ die kultur- und sozialwissenschaftliche Beschäftigung mit materieller Kultur auf, zu der alle textilen Objekte ebenso gehören. Er plädiert für eine phänomenologische Betrachtung unter dem Aspekt der Lebenswelt. Hier werden die Bedeu- tungen von sachkulturellen Gegen- ständen benannt, werden die sozialen Bindungen an materielle Kulturgüter herausgearbeitet. Die Geschichten, die sich hinter diesen Dingen verbergen können z.B. in unseren Bereich in Form von biografischen Ansätzen leicht übertragen werden. Eine wesentliche Bedeutung hat für Hahn dabei die Gegenwart dieser Dinge, die wir bei uns zu Hause oder auch in Sammlungen und Museen finden.

    Im ersten Moment erscheint der Beitrag von Sophia Prinz „Ein Modernismus ohne Modernisierung“ ein zu überspringender aus Sicht der Textilwissenschaften, da es um die künstlerische von Lo Bo Bardis im Nordosten Brasiliens geht. Festhakt habe ich mich dann doch am 3. Kapitel mit dem Thema „Praxis als eine ‚menschliche sinnliche Tätigkeit‘“. Hier wird jene Beziehung aufgearbeitet, die den Begriff der Praxis als eine Form der Wahrnehmung aufgreift und vertieft. Sie stellt fest, dass jedem spezifischen Praxiswissen einerseits der Prozess der Herstellung mit technischer Expertise innewohnt, andererseits legt jedes

  • fertige materielle Ding eine Gebrauchsform vor, die sinnliche Außen- welt ist und durch den Menschen als solche abgearbeitet werden muss. Begründet und vertieft sind die sozialen und philosophischen Betrachtungen mit den klingenden Namen von Edmund Husserl, Martin Heidegger und Merleau-Ponty.
    Es lohnt sich diesem Beitrag Zeit zu widmen und die Transferarbeit auf den textilen Bereich zu leisten. Robert Gugutzer widmet sich in ihrem Beitrag „Leibliche Interaktion mit Dingen, Sachen und Halbdingen – Zur Ent- grenzung des Sozialen (nicht nur) im Sport“ u.a. mit Leibqualitäten von Dingen, die nach ihm keine Neutralität aufweisen wie z.B. einem Pullover, der auf der Haut kratzt. Es geht um die Gefühle und Empfindungen, die ein Sachgegenstand im Körper auslösen und es so zu einer Verschmelzung von Sache und Körper kommt. Ich zitiere: „Dinge und Sachen werden zu leiblichen Interaktionspartnern aufgrund ihrer von menschlichen Akteuren wahrgenom- menen Leibqualitäten.“ (S. 110) Gugutzer konzentriert sich auf den Sport. M.E. gibt es viele theoretische Ansätze, die auf Kleidung und textile Objekte zu übertragen sind und eine Bereicherung für die Didaktik insbe- sondere der Primarstufe darstellen. Zum Ende möchte ich noch den Beitrag von Joachim Fischer aufgreifen „Simmels Sinn der Sinne“. Georg Simmel ist als Modesoziologe und –philosoph Pflicht- lektüre für alles Mode- und Textil- studierende. Fischer verweist in seinen Ausführungen auf die Notwendigkeit eines „vital turns“ der Soziologie der Sinne in der Gegenwart. Gerade mode- und textilwissenschaftlichen Bereich kommen wir in der Modesoziologie und –psychologie thematisch ohne Sinne nicht aus. Insofern liefert dieser Beitrag einen wesentlichen Beitrag für unsere theoretischen Begründungen.

    Insgesamt stellt der vorliegende opu- lente Sammelband viele interessante Beiträge zur akademischen Aufbe- reitung in Bezug auf Mode und Textil zur Verfügung.
    Ich plädiere deshalb dafür, einige die- ser Aufsätze als Grundlagenliteratur für das Mode- und Textilstudium auszuwählen.

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  • Gürtler, Christa; Hausbacher, Eva (Hg.):
    Kleiderfragen. Mode und Kulturwissenschaft.
    2015, 210 Seiten (29,99 €)
    ISBN 978-3-8394-2819-1
    transcript: Bielefeld

  • In diesem Sammelband der Reihe Fashion Studies herausgegeben von Gertrud Lehnert – äußern sich 11 Autoren und Autorinnen zu sehr unterschiedlichen Themen von Kleider- fragen. Das Thema Kleidermode wird interdisziplinär aus den unterschied-lichsten Perspektiven heraus betrach- tet.
    So vielfältig die Betrachtungsweisen, so vielfätig ist das Phänomen Mode, das „zwischen Kunst und Kommerz sowie ... Museum und Markt angesiedelt ist.“

    Bekannte Namen wie Barbara Vinken (Männer sind die neuen Frauen: Unisex oder Cross Dressing), Gertrud Lehnert (Mode als kulturelle Praxis), Daniel Devoucoux (Medien in Medien. Zur Kulturanthropologie von Mode im Film) oder auch Elke Gaugele (Unter dem ökonomischen Imperativ.

  • Mode, Ethik, Global Governance) haben sich an der interdisziplinären Ring- vorlesung „Kleiderfragen“ beteiligt, die im Wintersemester 2013/14 an der Universität Salzburg stattgefunden hat und hier dokumentiert wird. Die vor- tragenden Wissenschaftler und Wissen- schaftlerinnen entstammen den unter- schiedlichsten Disziplinen.

    So vielfältig und bunt ist der Blick auf die Mode, die ein globales kulturelles Phänomen darstellt. Die einzelnen Aufsätze sind aufschlussreich und in den unterschiedlichen Wissenschaften mit den unterschiedlichen Aspekten als Lek- türe zum Erschliessen dieses Phänomens in Lehre und Forschung einsetzbar.

    Die Liebe zur Mode lässt den Leser sich in die einzelnen Beiträge vertiefen und stellt fest, dass ein nachvollziehbarer Diskurs geführt wird, der einlädt sich ihm sowohl intellektuell als auch mental hinzugeben. Das Buch liefert genügend Stoff, um sich wissenschaftlich tiefer mit den Wissenschaften der Mode ausein- anderzusetzen.


  • Hahn, Hans Peter; Neumann, Friedemann(Hg.)
    Dinge als Herausforderung. Kontexte, Umgangsweisen und Umwertung von Objekten.
    2018, 354 Seiten (34,99 €)
    ISBN 978-3-8376-4513-2
    transcript: Bielefeld.

  • Der Sammelband führt insgesamt 16 Beiträge zu unterschiedlichen „Dingen“ zusammen. Für die Textil-Interessierten sind es neben den beiden einführenden Aufsätzen „Dinge als Herausforderung“ und „Materialität – Referenz – Rhythmus“ vor allem die zu den „Tüchern als Care-Objekte“, „Weben und Wissen“, „Wissen in den Händen von Handwerkern“ und „Zwischen Mensch und Ding“ von Interesse.

    Es geht hierbei um die kreative Umwidmung von Dingen, d.h. deren Nutzung und Zweckentfremdung.

    Es wird materielle Kultur untersucht. Welche Eigenschaften dieser Objekte sind bedeutsam? Nach Latow (S.12) entstehen Handlungen und Erkenntnisse durch Beobachtungen und Wahrnehmungen von Dingen. Das entstehende Netzwerk zwischen Mensch und Ding verändert sich stetig. Allen Beiträgen gemeinsam ist die Frage, welche Zugänge zu einem Gegenstand, einem Ding möglich sind.

    Mit dem Tragetuch verbinden sich Vorstellungen einer besseren Bindung an Kleinkinder und eine natürliche Mutter-Kind-Beziehung. Psychologisch-ethnologisch erforschen die beiden Autorinnen dieses Beitrags soziale Beziehungen und die psychische Entwicklung von Kindern im Grasland Kameruns. Als Rolle dient der Alltagsgegenstand Tragetuch als zentrales Forschungsobjekt. Mit diesem Tuch wird die psychologische und symbolische Einheit zwischen Mutter und Kind über die Geburt hinaus verlängert.

    Es werden konkrete Verhaltens- und Interaktionsmuster durch Beobachtung und Interviews erfasst. Es werden die Sozial- und Familienstruktur des Clans beschrieben, bis dann der konkrete Blick sich auf das Tuch wendet: Materialeigenschaften, universelle Einsatzmöglichkeiten, historische Entwicklung sowie der konkrete Umgang mit Tuch, Mutter und Kind in den verschiedenen Altersstufen und die Einbindung in den Alltag. Das Tuch vermittelt eine spezifische Interaktions- und Beziehungsform. Es vermittelt zudem die Anwendungsänderungen über die Kindheit hinweg. Der objektive Gegenstand „Tuch“ steht für die individuellen Verhaltensmuster und kontextuellen Normen in der Gesellschaft.

    Weben und Wissen – Lun’t-aya Acheik-Weberei in Myanmar. Die Materialitäten erfordern bestimmte Techniken und Fähigkeiten. Mit mehr als 100 Schiffchen werden die wellenartigen Muster gewebt. Ursprung waren die Sitze der burmesischen Könige in Mandalay und Sagaing. Welche Bedeutung hat diese Weberei heute im Alltagsleben in Myanmar? Weben ist hier eine weiblich dominierte Tätigkeit. Das Färben der Garne und der Bau der Webstühle liegt in der Hand der Männer. Maschinelle Webstühle sind ebenfalls Männerdomäne. Schnelligkeit und Fingerfertigkeiten der Frauen bei der Lun’t-aya Weberei ist imposant. Musterentwürfe lesen und Handgriffe ausüben wird in frühen Kinderjahren gelehrt und gelernt, beginnend im häuslichen Umfeld. Es dauert ca. zwei Jahre, diese besondere Technik zu erlernen. In den staatlichen Schulen lernen die Weberinnen nur das Lesen der Muster, nicht das Erstellen von Musterzeichnungen.

  • In der Gegenwart haben sich kreative Neuerungen gezeigt, die nicht immer ethnisch verortet werden können. Der neue Kundenkreis liebt die Veränderungen in Material (Fasermischungen), Musterveränderungen und Ästhetik der Stoffe, die zu Kleidung verarbeitet werden. Aktiv begeht man innovative Wege für die Zukunft.

    Die Autorin beschreibt die Beziehungen der Frauen zu dieser historisch-kulturell gewachsenen Technik. Sie weist aber auch darauf hin, dass eine breit angelegte Studie in privaten Sammlungen und Museen noch mehr Auskunft über die Beziehung und Deutung dieser Weberei geben könnte.

    Der verwendete theoretische Ansatz lässt sich m.E. auf weitere textile kulturelle Phänomene wie z.B. der komplexen Weberei in Laos übertragen.

    Insgesamt gesehen sind alle Beiträge für sich lesenswert. Sie sind einerseits von den Theorien der Kulturwissenschaften geprägt, andererseits zeigt sich ein ausgeprägter philosophischer Ansatz. Thomas Kolnberger stellt auffordernd fest: „Die Beziehung von Menschen und Dingen stand längste Zeit unter der Annahme, dass stabile Verhältnisse herrschen, ...: Menschen seien Menschen; Dinge eben Dinge. Diese scheinbar klaren Grenzen zwischen Menschlichem und Dinglichem sind wissenschaftlich-konzeptionell in Bewegung gekommen.“ (S. 327) Es werden die unterschiedlichen wissenschaftlichen Ansätze aufgezeigt. Der Umgang mit Dingen in der Alltagswirklichkeit wird schon immer eine Bedeutung zugeschrieben. Die Dinge habe diese Bedeutung nicht von sich aus, sie werden evoziert bzw. zugewiesen.

    Das Buch bietet eine interessante Auseinandersetzung mit Dingen und subjektiven und objektiven Bedeutung auf einer Ebene, die uns auch in der Alltagskultur (auch unbewusst) immer wieder begegnet.

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  • Hohnsträter, Dirk (Hrsg.):
    Konsum und Kreativität.
    2016, 198 Seiten (24,99 €)
    ISBN 978-3-8376-2865-4
    transcript: Bielefel.

  • Das vorliegende Buch ist Band 1 der Reihe Konsumästhetik, die sich der kul- turwissenschaftlichen Konsumforschung widmet. Es versammelt die Ergebnisse der im September 2013 stattgefundenen Tagung „Konsum und Kreativität“.

    In zehn wissenschaftlichen Beiträgen unterschiedlicher Disziplinen - wie Kunst, Ästhetik, Philosophie, Ethno- logie, Germanistik, Soziologie, Kul- turwissenschaft, Geschichte - gehen die Autoren der Aufgabe nach, die krea- tiven Elemente im Konsum und den künstlerischen, kreativen Umgang mit käuflichen Dingen wie z.B. dem allbe- kannten Zauberstab, der in vielen Küch- en beheimatet ist, aufzuzeigen. Gerade hinsichtlich der individuellen Nutzung, Umgestaltung und Kombination von all- täglichen Konsumprodukten ist die Krea- tivität kein Gegensatz zu Konsum.
    Hans Peter Hahn ist der Meinung, dass „...Konsum als Teil kultureller Arti- kulation“ zu verstehen sei.

  • Die diversen Positionen der Autoren lassen sich nicht kurz zusammenfassen, so dass ich nur empfehlen kann, sich diese in einem eingehenden Studium selbst nahe zu bringen. Bereichernd sind vor allem auch die eindeutigen Defini- tionen und die wissenschaftliche Breite, die sich dem Leser bietet. Globa- lisierung, Nachhaltigkeit und die Hand- lungsformen des Konsum greifen Aspekte der Psychologie und Soziologie des Individuums und der Gesellschaft auf.

    Da gerade auch Textilien wie z.B. Jeans oder T-Shirts zu den ausgesprochenen Konsumgütern gehören, offenbaren sich (nicht nur) für Textilwissenschaftler und –wissenschaftlerinnen vielfach Ansatz- punkte zur Begründung einer niveau- vollen Verbraucherbildung in den Mode- und Textilwissenschaften.

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  • Hoyer, Jennifer:  Die Tracht der Fürstin.  Marie Anna zu Schaum- burg-Lippe und die adelige Trach- tenbegeisterung um 1900.
    2016, 148 Seiten, 24,90 €.
    ISBN 978-3-8309-3302-1.
    Waxmann: Münster/ New York.

    E-Book: 21,99 €, ISBN 987-3-8309-8302-6.

  • In der Reihe der Münsteraner Schriften zur Volkskunde/Euroäi- schen Ethnologie wurde die preis- gekrönte Magisterarbeit der Autorin veröffentlicht.

    Hier wird das Thema bearbeitet, das sich in vielen anderen Regionen bereits ebenfalls schon sehr früh heraus- kristallisierte: Warum tragen um 1900 die Adeligen die Trachten der Bauern? Wer die legendären Sissi-Filme mit Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm gesehen hat, weiß, was damit gemeint ist. Jennifer Hoyer nähert sich dem Thema am Beispiel der Tracht der Fürstin Marie Anna zu Schaumburg-Lippe. Sie nimmt eine Objekt- Analyse  zum adeligen Umgang mit bäuerlicher Kleidung ausgehend von der Ob- jektpräsentation der Tracht der Fürstin vor.

  • Die Dokumentation der Primärquellen zeigt den besonderen Wert der Tracht des Fürstenhauses in Bezug zum gesellschaftlichen Wandel im 19. Jahr- hundert. Hoyer stellt den aktuellen Forschungsstand zum Thema dar. Auf dieser Basis arbeitet sie den Begriff Tracht (will Stand und Status ihrer Trä- ger/innen abbilden), sowie die Kon- struktionen, Symbolisierungen und vesti- mentären Wunschbilder von Kleidung heraus. In ihrer Arbeit steht der adelige Trachtenfolklorismus im Vor- dergrund, den sie als „Form kultureller Reaktion“ (S. 33) bestimmt.

    Die Autorin macht deutlich, dass Marie Anna exemplarisch den Adel als einflussreiche Gruppe der bürgerlich do- minierten Trachtenkultur darstellte.

    Die methodisch saubere, gut struk- turierte Arbeit im Rahmen der Trachten- kulturforschung erweitert die Ansätze vieler Wissenschaft- ler. Deutlich wird, dass Tracht nicht nur die Kleidung der bäuerlichen Schicht war, sondern die Akteure sich in den verschiedenen Sozi- almilieus mit unterschiedlicher Motiva- tion fanden.

    Das Buch ist sowohl inhaltlich wie auch methodisch für den wissenschaftlichen Umgang mit Trachtenkultur besonders geeignet.

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  • König, Gudrun M.; Mentges, Gabriele; Müller Michael R. (Hg.):
    Die Wissenschaften der Mode.
    2015, 221 Seiten (24,99 € )
    ISBN 978-3-8394-2200-7
    transcript: Bielefeld

  • Das Herausgeberteam stellt fest, dass sich eine Modewissenschaft bis heute an den deutschsprachigen Hochschulen nicht etabliert hat, sich jedoch ver- schiedenen Disziplinen (Germanistik, Soziologie, Kulturwissenschaft, Kunst- geschichte, Europäische Ethnologie) sich der Mode immer wieder forschend zugewandt hat.

    Das Buch stellt den Versuch dar, eine Modewissenschaft zu initiieren und deren Aufarbeitung ab dem 19. Jahr- hundert zu beginnen. Gabriele Mentges stellt fest, dass die „Angst der Forscher vor der Mode“ darin begründet liegt, dass unterschiedliche disziplinäre An- sätze unterschiedliche methodische Zugänge und Diskurse benötigt. Be- griffliche Klärungen sind nötig.

  • Die Vielfalt und disziplinäre Verortung deutet sich bereits im Inhaltsverzeichnis an: Kostümgeschichten und frühe Mode- theorien; Mode, Markt, Modernität; Mode in der Literaturwissenschaft, ... als museale Inszenierung, ... in der aktu- ellen deutschen Presse, Trachtenfor- schung, Modesoziologie und Semiotik.

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  • Kühl, Alicia:
    Modenschauen. Die Behauptung des Neuen in der Mode.
    2015, 332 Seiten (32,99 €)
    ISBN 978-3-8394-2885-6
    transcript: Bielefeld

  • Modenschau wird hier als eine Form der Kleidungspräsentation untersucht. Die simple Frage lautet: Welche Funk- tion hat die Modenschau?

    Zwangsläufig bleibt hier die Kleidung als materielle Kultur im Hintergrund, die Inszenierung der Vorstellung neuer Kleidung tritt in den Vordergrund. Dabei spielt die Atmosphäre eine besondere Rolle. In ihrer mode-theoretisch fun- dierten Arbeit, für die sie zudem Theorien des Performativen, des Rau- mes, der Atmosphären und des Neuen hinzuzieht, untersucht sie Moden- schauen ausgewählter Haute- Couture- und Prêt-à-porter-Designer der letzten 30 Jahre und zeichnet nach, inwieweit die in ihnen erzeugten Atmosphären eingesetzt werden, um die Überzeugung zum Neuen zu leisten.

    Die Studie hinterfragt erstmals die Funktion und Position der Modenschau innerhalb des Modezyklus, was auch eine Neubewertung der Rolle der Klei- dung nach sich zieht. Die Modenschau wird als Aushandlungsfläche oder -pro- zess für das, was in Sachen Kleidung Mode wird.

  • Daran beteiligten sich viele Institutionen wie Modespezialisten, Designer, Blogger. Zuletzt muss es auch den Konsumenten gefallen. All dies wird in einer histo- rischen Retrospektive mode- theoretisch erarbeitet und untersucht.

    Alicia Kühl verweist darauf, dass nicht die Modenschau etwas Neues ist, sondern der Wandel der Modenschau hin zu den neuen Modenschau-Bildern, die letztlich die Arbeit, die Atmosphäre leistet, dass die gezeigte Kleidung Mode wird. So ist die Autorin überzeugt, dass die Zukunft der spektakulären, atmosphärischen Mo- denschauen wegen der Technologisie- rung der Materialien eher durch eine funktionelle Intervention abgelöst wer- den.
    Diese sehr dichte Untersuchung verlangt Durchhaltevermögen beim Lesen, ge- währt jedoch viele Einsichten in ein Me- tier, dass den meisten eher unbekannt ist.

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  •  

    Langreiter, Nikola; Löffler, Klara (Hg.): Selber machen. Diskurse und Praktiken des „Do it yourself “.
    2017, 287 Seiten, 29,99 €,
    ISBN 978-3-8376-3450-4,
    transcript:Bielefeld.

  • Die Kulturwissenschaftlerin Nikola Langreiter und die Kulturethnologin Klara Löffler sammeln in diesem Aufsatzband aus der Edition Kultur- wissenschaft Beiträge von insgesamt 17 Wissenschaftlern, die sich mit dem Phänomen DIY beschäftigen. In der Gegenwart ist ein Hype angesagt - das sagen die Zukunfts- und Freizeitwis- senschaftler als auch die Gewinnzahlen von Baumärkten, Handarbeits- geschäften usw. Die Autoren und Autorinnen setzen sich mit der Kulturgeschichte als auch mit der Bedeutung und Funktion in den jeweiligen Zeiten des "Selbermachens" auseinander, eingebracht in der 2015 statt- gefundenen Tagung "Do it! Yourself? Fragen zu (Forschungs-) Praktiken des Selbermachens".
    Die beiden Herausgeberinnen verweisen in der Einleitung, dass es um den Umgang mit Zeit, die Programme von Institutionen und Medien, die Erweiterung von Freizeit, das Heimwerken von Mädchen und Jungen als Instrument sinnvollen Umgangs von Zeit, die gesellschaftliche Indienst- nahme des Selbermachens in Bezug auf Ausbildung von Tugenden, Beziehungen von historischen und politischen Dimensionen, ökonomischen und ökologischen Aspekten u.m. geht. Es ist kein Anleitungsbuch für "Selber- machen". Jedem Aufsatz geht ein englisches Abstract voraus.

    Für uns Mode- und Textilwissen- schafler_innen sind die Beiträge von Lisbeth Freis "Die Wiener Handarbeit als nationales Leitbild", von Ines Peper "Die Wiederentdeckung(en) der Hand- spinnerei", von Sonja Windmüller "Do it ... with Rubbish". Zum Wechselverhältnis von Do it yourself und Abfall(-diskurs)" und von Nikola Langreiter "Weibliches Handarbeiten - (anti-)feministische!? von besonderem Interesse. Lisbeth Freiss nimmt die vorindustriellen textilen Handarbeits- techniken in den Fokus, die die Aufmerksamkeit von Kunst, Industrie Mode und Bildungseinrichtungen im 19. Jahrhundert erlangten. Die Praktiken der weiblichen Handarbeit fungieren als Leitbild für ein national vereinheitlichendes österreichisches Identifikationsmuster.

    Beispiele hierfür lassen sich auch in Deutschland finden. Die historisch-politische Auseinandersetzung und die Rolle der Frau in allen sozialen Schichten taucht in die Gender- problematik dieser Zeit ein. Die Rolle der Printmedien dieser Zeit mit ihren Handarbeitsanleitungen wird von Freiss als koloniale Strategie in der Programmatik zur staats- und nationalpolitischen Vereinnahmung der weiblichen Handarbeit durch die Habsburgermonarchie konstatiert. Dieser Aufsatz zeigt die Mehr- perspektivität des Themas textile Kulturtechniken exemplarisch auf und bietet vielerlei Diskussionstoff für Lehrveranstaltungen. Ines Peper nimmt das historische Phänomen des Handspinnens in den Blick, das mit der Spinning Jenny mehr und mehr in den Hintergrund geriet.

  • Sie widmet sich der deutschsprachigen Handspinnszene, die seit der 1990er Jahre als Nischenkultur entstand. Ihr stellt sich eindringlich die Frage nach den hier verbundenen Geschlechter- konstruktionen. Der Vergleich der historischen Gepflogenheiten zum Handspinnen 2:0 in der Gegenwart zeigt den Bedeutungswandel. Sie spricht von der Begeisterung für altes Handwerk mit rückwärtsgewandter Nostalgie und innovativem Potenzial, das sich aus einer ökologisch orientierten Gegenwelt entwickelt mit dem Wunsch nach Selbstverwirklichung durch schöpferische Handarbeit und der Kreativität der Hände im Privaten.

    Diese Form der Gestaltung kann eine Form von politischem Aktivismus sein, der dem eigenen Lebensstil Ausdruck verleiht. In einem weiteren Kapitel wird das DIY als emanzipatorische Praxis näher ausgeführt. Auch sehen wir die Genderproblematik in Bezug auf Handarbeit und Weiblichkeit diskutiert.

    Der Bogen zur digitalen Welt mit BlogerInnen und PodcasterInnen wird erfolgreich gespannt und der Bedeutungswandel deutlich. Ebenfalls ökologisch ausgerichtet ist der Beitrag von Sonja Windmüller. Für sie ist Abfall als Material und Konzept ein ökonomische, ästhetische und sozialipolitische Ressource für DIY-Praktiken und -Konzepte. Sie bezeichnet sich als Abfallforscherin mit der Thematik Recycling und Nachhaltigkeit, Themen, die in den Bildungsplänen der allgemeinbildenden Schulen fest verankert sind. Welt reparieren, Müllberge lesen, sinnliche Qualität des Ab- falls, Umwertungen - eine soziale Betrachtung, unterstützt durch das Projekt "mitumBACK", dessen Bezeichnung aus dem Wort "mitumba", das in Afrika für die europäischen Altkleiderspenden verwendet wird, die auf die afrikanischen Märkte gelangen und dort verkauft werden.
    Ein interessanter Ansatz, der es Wert ist in der Bildung verbreitet zu werden. Klara Löffler weist den Ausdrucksformen des "Selbermachens" in den biografischen Phasen unterschiedliche Akzentuier- ungen und Bedeutungen zu. Es steht immer zwischen Arbeit und Freizeit, Produktion und Konsum. Diverse wissenschaftliche Aussagen werden herangezogen, um die Ambivalenz der Tätigkeits- und Ausdrucksformen des Individuums im Alltag mit seinem gemein- schaftlichen Bezug zu durchleuchten. Einerseits ist es Identitätsarbeit, andererseits eine soziale Teilzeit-Praxis.

    Die Vielfalt des DIY spiegelt sich in den Aktivitäten der Individuen in ihrer Lebensbiografie wieder. Es sei immer ein Geflecht aus sozialen und ökonommischen und historischen Relationen, bei denen unterschiedliche Beziehungen zu Menschen, Räumen, Dingen und Lebensführung hergestellt werden. Die gesammelten Beiträge sind wissenschaftlich breit angelegt und sehr ertragreich für all diejenigen, die sich intensiv mit dem Phänomen des "Selbermachens" auseinandersetzen. Es werden zahlreiche Erklärungsmuster abgegeben, mit denen in unterschiedlichen Situationen begründet werden kann, warum jemand etwas selber macht!

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  • Lehnert, Gertrud; Weilandt, Maria (Hg.): Ist Mode queer?   Neue Perspektiven der Modeforschung.
    2016, 222 Seiten, 29,99 €.
    ISBN 978-3-8376-3490-7.
    transcript: Bielefeld.

  • Der Band 7 der Fashion Studies schafft Verbindungen zwischen Queer-, Gender- und Modeforschung mit dem Aspekt, neue Perspektiven auf Mode zu erschließen.

    In 15 Beiträgen werden systematische Reflexionen und exemplarische Analysen. Exemplarisch seien hier die Aufsätze „Queere Mode/Körper“ (Gertrud Lehnert), „Imaginäre Stofflichkeiten“ (Mari-Luise Angerer) und „Miss-Gestalten“ (Julia Burde) genannt, in denen besonders auf Mode, Kleider und Accessoires eingegangen wird.

  • Das Konzept Queer eröffnet die Verschiebung von Bedeutungen. Der Blick auf die Normierungen von Mode wird neu konstituiert. Der aufmerksame Leser wird mit verschiedenen Ausformungen von Mode konfrontiert, die nicht immer eindeutig in eine bestimmte Richtung hingerichtet sein muss.

    Das lässt viel Raum selbst über die Bedeutungszusammenhänge nachzudenken auf der Basis der Mode-, Gender- und Queerforschung.

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  • Schmelzer-Ziringer, Barbara:
    Mode Design Theorie.
    2015, 282 Seiten, 24,99 €:
    ISBN 978-3-8252-4403-3.
    UTB, Böhlau Verlag:Wien-Köln-Weimar.

     

  • In zehn Kapiteln, die nicht näher bestimmt, werden die Themen Design, Kommunikation, Soziologie, Modetheo- rie, Antike Kleidung, Anthropologie, Gen- der, Ethik, Architektur (Maß, Geometrie), und Fetisch zum aus sehr ungewöhnlicher Perspektive theoretisch durchdrungen.

    Die Diplom-Modedesignerin Schmelzer-Ziringer hat ihre internationalen Erfahrungen (u.a. Jil Sander/Mailand) mit einer nachträglichen theoretischen Auseinandersetzung in Form eines Bach- elor/Masterstudiums gepaart. Heute lehrt Sie an der Kunstuniversität Linz.

    Sie hat mit ihrem Buch eine über- greifende Mode- und Designtheorie ent- wickelt, die Studierenden, Mode- und Designinteressierten sowie Kreativ- schaffenden eine Grundlage für ihre Studien liefert.

  • Die Breite und Vielfalt der Betrachtungsweisen von Mode und Design sind wissenschaftlich fundiert darge- boten und lösen den Reiz aus, so manche Quelle im Original aufzuarbeiten. Je nach persönlicher Disposition wird man sich den diversen Disziplinen mehr oder weniger vertraut fühlen. Das Buch zeigt unmissverständlich auf, wie komplex Mode und Design sich erkären lassen, man muss ich nur darauf einlassen und man wird immer wieder neue Facetten auftun, die sich in unserer Gesellschaft manifestieren.
    Dieses Buch ist eine Fundgrube von Aspekten, von Quellen über Mode. Jeder wird etwas auftun, was er noch nicht gewusst oder zum Nachdenken anregt. Es ist nicht nur als Grundlagenliteratur für Studierende im mode- und textilwis- senschaftlichen Fachbereich zu em- pfehlen und dient hervorragend zur breit angelegten Auseinandersetzung mit dem Themenbereich Mode.

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  • Scholz, Jana:
    Die Präsenz der Dinge.  Anthropomorphe Artefakte in Kunst, Mode und Literatur.
    2019, 220 Seiten, 34,99 €.
    ISBN 978-3- 8376-4817-1.
    Bielefeld: transcript.

     

  • Forschungsgegenstand ist die Analyse menschenähnlicher Dinge und ihre multisensuelle Erfahrbarkeit. Je nach künstlerischer Darstellungsform sind spezifische Wahrnehmungspraktiken erforderlich.

    Jana Scholz zeigt in ihrer Dissertation an drei Beispielen künstliche Figurationen anthropomorpher Arte- fakte: Hans Bellmer - Die Puppe, Mode – Jean Paul Gaultier: La Planète und Literatur – E.T.A. Hoffmann – Der Sandmann.

    Der Begriff anthropomorpher Artefakte fasst hier zwei Qualitäten zusammen: Menschenähnlichkeit und Gemachtheit durch Kunst oder Wissen.

    Die Autorin setzt sich zur Erfassung der Phänomene intensiv mit der Wahr- nehmung der Dinge auseinander. Sie stellt fest, dass seit 2000 ein steigendes Interesse an materieller Kultur zu erkennen sei. Sie stellt einen kurzen Überblick der Materialforschung und ihrer Positionen vor. Zwei Aspekte dabei sind für sie wichtig – physikalische Wider- ständigkeit und ihre modellierende Wirkung auf Menschen. Die Dinge machen Materialität und Visualität aus. Damit ist die Grundlage der Wahrnehmung benannt, zu der sich später noch die Ästhetik gesellt.

  • Jana Scholz stellt fest, dass auf dieser Welt nur „Hybridformen“ zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit zu erforschen sind. Damit ist die eindeutige Zuordnung nicht möglich. Wieso werden aber diese anthropomorphen Artefakte von uns verlebendigt? Wieso sind sie in der Lage, Gefühle und Emotionen auszulösen? Die Ausstellung „La Planète Jean Paul Gaultier“ wurde 2015 in Paris gezeigt. Eine genau Beschreibung des Ausstellungsszenarios erfolgt. Es werden seriell produzierte abstrakte Mannequins benutzt. Die lebendig-tote Hybridität der stilisierten Puppen soll auch der Präsentation der Mode Rechnung tragen. Sie bieten die Dreidimensionalität in einer momenthaften Pose. Die Autorin stellt fest, dass diese Modeinstallation in ihrer räumlichen Umgebung den Körpern eine Subjektivität suggeriert, die im Betrachter Imaginationen, Reflexionen, Gefühle und körperliche Reaktionen auslösen. „...anthropomorphe Artefakte entfalten Agency in der sinnlichen Erfahrung“ – es wird Wirklichkeit konstruiert. Das dekliniert die Autorin an den weiteren Beispielen ebenfalls durch. Das Buch ist nicht einfach zu verstehen. Es lohnt sich jedoch, sich in die philosophische Sprache einzulesen und den Inhalt mit eigenen Erfahrungen zu reflektieren und zu verifizieren.

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  • Syme, Patrick:
    WERNERS Nomenklatur der Farben.
    2018, 53 Seiten, 22,00 €.
    ISBN 978-5-258-60201-1.
    Haupt Verlag: Bern.

     

  • Vor mir liegt ein in rotes Leinen gebundene kleines Buch, dass mich durch seine liebevolle Aufmachung sehr beeindruckt. Wo gibt es noch solche Büchlein?
    Der Haupt-Verlag legt das Werk, das 1821 in Edinburgh erstmals erschien, wieder auf und wird sicher viele Interessierte der Farbenlehre faszinieren. Abraham Gottlob Werner lebte von 1749-1817.

    Er war ein bedeutender deutscher Mineraloge, Geologe und Bergmeister an der Bergakademie in Freiberg/Sachsen. In seiner Veröffentlichung „Von den äußerlichen Kennzeichen der Fossilien“ beschrieb er ein Klassifikationssystem, mit dem an den Kennzeichen Farbe und Glanz Minerale bestimmbar waren.

    Patrick Syme (1774-1845) war Pflanzenmaler und Zeichenlehrer in Edinburgh. Er nutzte Namen und Beschreibungen der Farben und die Farbtafeln, wie sie in Werners Nomenklatur der Farben noch heute vorzufinden sind. Er ergänzte diese mit Beispiele aus dem Tier und Pflanzenwelt. Dieses kleine Werk nutzten viele Künstler und Naturforscher wie auch Charles Darwin, der es bei seiner Reise mit HMS Beagle 1831-1836 bei sich trug. „So notierte er etwa über den Farbwechsel von Tintenfischen, dass Wolken zwischen Hyazinthrot und Kastanienbraun kontinuierlich über deren Körper hinwegliefen.

  • Das Buch ist ursprünglich in deutscher Sprache verfasst worden, wurde aber nur in Englisch veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe ist eine Übersetzung der zweiten Ausgabe.
    Ab Seite 25 finden sich 110 Farben, die in einer Tabelle mit Nummer, Name, Farbe, Vorkommen im Tierreich, Pflanzenreich und bei Mineralien vorgestellt werden. Beachtlich ist die Differenzierung der einzelnen Schattierungen und Nuancen.

    Hier ein Beispiel: 82. Ziegelrot ist Hyazinthrot gemischt mit viel Gräulichweiß und einer kleinen Menge Scharlachrot. Tiere – Brust des männlichen Dompfaffs, Pflanzen – Strauchiger Gauchheil, Minerale – Porzellanjaspis.

    Noch beeindruckender ist die Beschreibung von 65. Zitronengelb ist die charakteristische Farbe in Werners Gelbserie, es ist die Farbe reifer Zitronen. Es erscheint als Mischung aus Kaisergelb und etwas Aschgrau; da es eine Mischfarbe ist, kann es nicht als Hauptfarbe übernommen werden. Die Hauptfarben der Blau-, Rot- und Gelbtöne sollten rein und frei von jeglichen Beimischungen von anderen Farben sein. Kaisergelb als die reinste gelbe Farbe wird statt Zitronen gelb als Hauptfarbe der Gelbtöne herangezogen. Tiere – Große Wespe oder Hornisse, Pflanzen – Chrysocoma-Aster, Minerale – Grüner Auripigment.

    Die prägnante Beschreibung der Farben und die Nachvollziehbarkeit ihrer Vorkommen haben mich sehr beeindruckt. Sie schärft die Wahrnehmung und das Vokabular innerhalb der Farbenlehre. Ein „kulturhistorischer Schatz“, der nun gehoben wurde und vielen Farbinteressierten viel Freude beim Studium bereiten wird.

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  • Wassermann, Sarah: Modegruppen und Textilzirkel in der DDR. Die Sammlung im MEK.
    2017109 Seiten, 14,95 €
    ISBN 978-3-86530-239-7
    Verlag der Kunst Dresden Ingwert Paulsen jr.: Husum

     

  • Die Veröffentlichung widmet sich dem „künstlerischem Volksschaffen“ in der DDR, das als staatlich organisierte, künstlerische Freizeitbetätigung in den DDR-spezifischen Zirkeln beheimatet war. Zirkelleiter und -leiterinnen unter- wiesen die Gemeinschaften in Kultur- häusern. Die Textilzirkel widmeten sich der künstlerischen Textilgestaltung, die der angewandten Kunst zugeordnet war.

    In dieser Veröffentlichung werden das Verständnis und die politische Ziel- setzung aufgezeichnet: Bewahrung und Pflege des traditionellen Kulturerbes, Auf- und Ausbau einer Nationalkultur, Förderung sinnvoller Freizeitgestaltung, ästhetische Erziehung, Persönichkeits- entwicklung und gesellschaftliche Wirk- samkeit.

    Die in den 1980er Jahren beliebten Modegruppen sollten vor allem junge Menschen motivieren. Sie arbeiteten stärker als die Textilzirkel, die eher das Erlernen textiler Kulturtechniken verfolgten, an einer öffentlichen In- szenierung.
    Entwürfe wurden umgesetzt, vorgeführt und moderiert. Dies blieb nicht nur den Frauen vorbehalten, auch Männer fanden dort ihren Ort. Es wurde Kleidung für Modeschauen gefertigt, jedoch nicht verkauft.

  • Viele der Quellen stammen aus der Dokumentation des Zirkels für künstlerische Textilgestaltung Potsdam (dieser Zirkel ist heute im Fachverband eine der aktivsten Landesgruppen), an der eine sehr intensive Arbeit die mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeich- nete Jutta Lademann ist.

    Sarah Wassermann stellt die Textilzirkel und Modegruppen vor und benennt auch die herausragenden Persönlichkeiten, die durch ihr Schaffen Exponate hinterlassen haben, die heute in der Sammlung des Museums Europäischer Kulturen einge- gangen ist.
    Ab Seite 56 werden nach Kategorien Accessoires, Modische Kleidung, Bild- textil, Haustextilien und Souvenirs ge- ordneten Sammlungsstücke (Auswahl) in Wort und Bild vorgestellt. Es sind ca. 180 Exponate, die in der DDR im Rahmen des „künstlerischen Kulturschaffens“ in Textilzirkeln und Modegruppen kreiert wurden.
    Die wissenschaftliche Auseinander- setzung mit den Objekten und der herausragenden Dokumentation verdient Aufmerksamkeit, da es ein Stück der deutschen textilen Kulturgeschichte dar- stellt.

    Die Lektüre gibt Anregungen und schärft den Blick für einen Aspekt der deutschen Geschichte, der sich im Museum Europäischer Kulturen befindet.

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  • Wenrich, Rainer (Hg.):
    Die Medialität der Mode. Kleidung als kulturelle Praxis. Perspektiven für eine Modewissenschaft.
    2015, 411 Seiten (32,99 €)
    ISBN 978-3-8394- 2559-6
    transcript: Bielefeld

  • Dieses umfängliche Buch ist der dritte Band der Fashion Studies, die Gertrud Lehnert im transcript-Verlag herausgibt.

    Der Kunstwissenschaftler und Kunst- pädagoge Wenrich bundelt unter den Themen „Kleidung denken, Kleidung lesen, Kleidung verstehen, Kleidung kulturell und politisch transformieren, Kleidung präsentieren und Kleidung medialisieren“ insgesamt 19 Beiträge von anerkannten Wissenschaftlern der Mode aus Deutschland, Großbritannien und USA. Deutlich wird, dass „die Kleidermode ... in der Zwischenzeit als Medium anerkannt (ist), das unsere Kultur uneingeschränkt durchdringt“ (Vorwort von Harold Koda).

    Die sehr unterschiedlichen Blickweisen auf das Phänomen Kleidung und Mode erweitern den globalen Blick auf kulturelle Praxen. Ziel ist die „Konsti- tution einer Wissenschaft der Mode“. Diese muss auf die verschiedenen Be- zugswissenschaften eingehen, um das Phänomen der Mode in der Gegenwart auch unter dem Aspekt der sich neu entwickelnden Phänomene der Alltags- kultur darzustellen.

  • Insgesamt sind die Themen nicht neu, aber doch neu, da sich die globale Kultur als solches verändert hat und sich anzugleichen scheint. Der interdiszi- plinäre gespannte Bogen muss vom Leser selbst erarbeitet und bearbeitet werden. Es gibt reichlich Diskussionsstoff zu Haltungen und Einstellungen, die jeder für sich auf der Grundlage der Fakten und Thesen einnehmen kann. Dieses Buch beinhaltet eine reichliche Samm- lung von Aufsätzen zum Thema Mode aus Vergangenheit und Gegenwart, die bis in die Zukunft hineinreichen. Die Beiträge können die wissenschaftliche Ausein- andersetzung auch in vielen Seminar- räumen der Hochschulen.

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  • Witt, Eva: Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie in China im 21. Jahrhundert. Lösungsansätze zur zeitgemäßen Umsetzung sozialverträglicher Unternehmenspolitik.
    2016, 274 Seiten, 96,80 €.
    ISBN 978-3-8300-8976-6.
    Verlag Dr. Kovac: Hamburg.

  • Globalisierung der Bekleidungsindustrie mit ihren komplexen Produktions- und Handelsbeziehungen ist das Thema dieser Dissertation. China hat in diesem globalen Wettbewerb schon immer eine bedeutende Rolle eingenommen, die sich mit dem Quotenfall des Weltfaserabkommens 2004 nochmals verstärkt hat. Die chinesischen Ex- portzahlen steigen weiter ohne dass ich die Produktionskosten erhöht hätten.

    Die Schlüsse, die sich bezüglich der Arbeitsbedingungen, der Löhne, der Arbeitssicherheit und der gesund- heitlichen Versorgung der Angestellten ziehen lassen, werden von der Autorin herausgearbeitet.
    Der mangelnde Einfluss von CoCs (Codes of Conduct), NGOs (Non Government Organisations), Social Audits sowie die westliche und chinesische Presse wird dargestellt.

    Eine besondere Position nimmt die Problematik der Arbeitsverträge, Mindestlöhne, Überstunden, Diskrimi- nierung, Zwangs- und Kinderarbeit ein. Die rechtliche Umsetzung und das Fehlen von institutionellen Einrich- tungen zum Schutz der Arbeiterinnen und Arbeiter werden aufgezeigt.

  • Das wirtschaftliche Wachstum Chinas geht auf die junge Bevölkerung zurück. Diese ist sogar bereit in städtische Produktionszentren umzusiedeln.

    Diese Situation wird sich jedoch in den nächsten Jahrzehnten drastisch ändern (Ein-Kind-Politik). Die Verfügbarkeit junger Billigarbeitskräften wird drastisch sinken. Der Druck auf Löhne wird damit steigen. Die Verlagerung der Pro- duktionsstandorte hat bereits eingesetzt. Die Verlagerung wirtschaftlicher Akti- vitäten Chinas ist bereits begonnen.

    Das komplexe Wechselspiel der einzelnen Einflussfaktoren in der Wertschöpfungskette von Textilien und Bekleidung werden akribisch nachge- zeichnet. Es wird offengelegt, dass die westlichen Organisationen und Institu- tionen einen wesentlichen Beitrag lei- sten könnten, eine nachhaltige Unter- nehmenspolitik in China zu initiieren.

    Das Buch ist mit zahlreichen Statistiken und Abbildungen ausgestattet und schafft einen exemplarischen Überblick zu internationalem Wettbewerb und der Nachhaltigkeit in der Mode- und Bekleidungsindustrie.

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Letzte Änderung: Mi, 02.10.2019