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Buchbesprechungen: FACHWISSENSCHAFT (Neuerscheinungen)

Stand: 27.01.2018

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KULTURWISSENSCHAFTEN

  • Empfehlungen von Prof. Dr. Waltraud Rusch


  • Beaugrand, Andreas; Smolarski, Pierre (Hg.): Adbusting. Ein designtheoretisches Strategiehandbuch.
    2016, 287 Seiten, 24,99 €,
    ISBN 978-3-8376-3447-1,
    transcript:Bielefeld.

  • Adbusting – ein Anglizismus, der aus den englischen Wörtern ad (Kurzform von advertisment – dt. Werbung – und dem Verb to bust – zerschlagen) gebildet, und die Umgestaltung von Werbung im öffentlichen Raum meint. Diese Verfremdung erfolgt mit dem Ziel den Sinn dieser Werbung umzudrehen, sie zu verfälschen und sie z.T. auch lächerlich zu machen. Die Autoren definieren es so, dass es sich grundsätzlich um eine mediengestütze Kritik an der visuellen Umweltverschmutzung handele.

    In 15 Beiträgen werden Adbusting-Strategien aus der Praxis entwickelt, generalisiert und für die Anwendung in der Praxis nutzbar zu machen. Grundsätzlich ist Bild und Text verfremdbar. Markenzeichen werden manipuliert, Bildzeichen und Texte erzeugen ein anderes Empfinden, senden eine andere Botschaft aus – und das gewollt. Das Ziel ist, Werbung reflektiert wahrzunehmen und die Manipulation des Einzelnen aufzubrechen. Nicht alles was geschrieben steht, ist einfach nachzuvollziehen.

  • Der Leser sollte sich trotzdem darauf einlassen zur Reflexion der medialen Kommunikation im Alltag. Die gewählten Beispiele stammen aus Politik, Wirtschaft und Alltagsleben. Für Studierende der Verbraucherbildung ein anderer Zugang zu den Funktionen von Werbung.
    Die Farbgestaltung des Buches ist gewöhnungsbedürftig. Die Seiten wirken übervoll und unruhig. Man legt das Buch immer wieder weg, nimmt es aus Neugier aber stets wieder in die Hand. Man kann es sich auch in kleineren Portionen erarbeiten. Der Zugewinn an Wissen wird sicherlich sehr individuell sein.

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  • Bergmann, Roberta: Die Grundlagen des Gestaltens.
    2016, 288 Seiten, 39,90 €,
    ISBN 978-3-258-60149-6,
    Haupt:Bern.

  • Dieses Buch nimmt man gerne in die Hand. Die äußere Gestaltung ist ein Blickfänger, nicht nur die Buchdeckel regen zum Hineinschauen an, sondern auch die wundervolle Gestaltung des Beschnitts mit abgerundeten Ecken machen neugierig. Öffnet man das Buch, sieht man die liebevolle Gestaltung jeder einzelnen der 288 Seiten – eben ein Buch über Gestaltung, in dem das was drin ist, auch gezeigt und gelebt wird. Die mehrfach ausgezeichnete Grafikdesignerin lehrte und arbeitet u.a. als Illustratorin und Buchgestalterin. In diesem sehr breit angelegten Werk werden die Gestaltungsgrundlagen zusammengefasst und mit 50 praktischen Übungen ergänzt. Im Anhang finden sich Weiterlesen-Tipps und ein hilfreiches Stichwortverzeichnis.

  • Die einzelnen Kapitel sind didaktisch angelegt. Die Autorin nennt ihre großen Teile 1. Sehen lernen – Besonderheiten des Wahrnehmens als Gestalter, 2. Begreifen, anwenden, kombinieren, 3. Bewusstes Gestalten mit Methode. Hier finden sich die Gestaltungstheorien als auch die Farblehre wieder. Angetan ist man von den jeweils jedem Teilkapitel zugeordneten Praxisaufgaben, die das theoretisch aufbereitete in die Praxis münden lassen.

    Man muss sich als Leser und Lernender durch das Buch arbeiten und beeindrucken lassen. Ich kann nur sagen, das Buch in die Hand nehmen und sich durch Theorie und Praxis und Tipps führen lassen durch Gestaltung und Kreativität. Ein sehr lohnenswerter Akt, der zudem mit zahlreichen Abbildungen in schwarz/weiß und Farbe begleitet wird. Es ist ein sich fundiertes und gestalterisch positiv auffallendes Printobjekt.

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  • Hoyer, Jennifer:  Die Tracht der Fürstin.  Marie Anna zu Schaum- burg-Lippe und die adelige Trach- tenbegeisterung um 1900.
    2016, 148 Seiten, 24,90 €.
    ISBN 978-3-8309-3302-1.
    Waxmann: Münster/ New York.

    E-Book: 21,99 €, ISBN 987-3-8309-8302-6.

  • In der Reihe der Münsteraner Schriften zur Volkskunde/Euroäi- schen Ethnologie wurde die preis- gekrönte Magisterarbeit der Autorin veröffentlicht.

    Hier wird das Thema bearbeitet, das sich in vielen anderen Regionen bereits ebenfalls schon sehr früh heraus- kristallisierte: Warum tragen um 1900 die Adeligen die Trachten der Bauern? Wer die legendären Sissi-Filme mit Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm gesehen hat, weiß, was damit gemeint ist. Jennifer Hoyer nähert sich dem Thema am Beispiel der Tracht der Fürstin Marie Anna zu Schaumburg-Lippe. Sie nimmt eine Objekt- Analyse  zum adeligen Umgang mit bäuerlicher Kleidung ausgehend von der Ob- jektpräsentation der Tracht der Fürstin vor.

  • Die Dokumentation der Primärquellen zeigt den besonderen Wert der Tracht des Fürstenhauses in Bezug zum gesellschaftlichen Wandel im 19. Jahr- hundert. Hoyer stellt den aktuellen Forschungsstand zum Thema dar. Auf dieser Basis arbeitet sie den Begriff Tracht (will Stand und Status ihrer Trä- ger/innen abbilden), sowie die Kon- struktionen, Symbolisierungen und vesti- mentären Wunschbilder von Kleidung heraus. In ihrer Arbeit steht der adelige Trachtenfolklorismus im Vor- dergrund, den sie als „Form kultureller Reaktion“ (S. 33) bestimmt.

    Die Autorin macht deutlich, dass Marie Anna exemplarisch den Adel als einflussreiche Gruppe der bürgerlich do- minierten Trachtenkultur darstellte.

    Die methodisch saubere, gut struk- turierte Arbeit im Rahmen der Trachten- kulturforschung erweitert die Ansätze vieler Wissenschaft- ler. Deutlich wird, dass Tracht nicht nur die Kleidung der bäuerlichen Schicht war, sondern die Akteure sich in den verschiedenen Sozi- almilieus mit unterschiedlicher Motiva- tion fanden.

    Das Buch ist sowohl inhaltlich wie auch methodisch für den wissenschaftlichen Umgang mit Trachtenkultur besonders geeignet.

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  •  

    Langreiter, Nikola; Löffler, Klara (Hg.): Selber machen. Diskurse und Praktiken des „Do it yourself “.
    2017, 287 Seiten, 29,99 €,
    ISBN 978-3-8376-3450-4,
    transcript:Bielefeld.

  • Die Kulturwissenschaftlerin Nikola Langreiter und die Kulturethnologin Klara Löffler sammeln in diesem Aufsatzband aus der Edition Kultur- wissenschaft Beiträge von insgesamt 17 Wissenschaftlern, die sich mit dem Phänomen DIY beschäftigen. In der Gegenwart ist ein Hype angesagt - das sagen die Zukunfts- und Freizeitwis- senschaftler als auch die Gewinnzahlen von Baumärkten, Handarbeits- geschäften usw. Die Autoren und Autorinnen setzen sich mit der Kulturgeschichte als auch mit der Bedeutung und Funktion in den jeweiligen Zeiten des "Selbermachens" auseinander, eingebracht in der 2015 statt- gefundenen Tagung "Do it! Yourself? Fragen zu (Forschungs-) Praktiken des Selbermachens".
    Die beiden Herausgeberinnen verweisen in der Einleitung, dass es um den Umgang mit Zeit, die Programme von Institutionen und Medien, die Erweiterung von Freizeit, das Heimwerken von Mädchen und Jungen als Instrument sinnvollen Umgangs von Zeit, die gesellschaftliche Indienst- nahme des Selbermachens in Bezug auf Ausbildung von Tugenden, Beziehungen von historischen und politischen Dimensionen, ökonomischen und ökologischen Aspekten u.m. geht. Es ist kein Anleitungsbuch für "Selber- machen". Jedem Aufsatz geht ein englisches Abstract voraus.

    Für uns Mode- und Textilwissen- schafler_innen sind die Beiträge von Lisbeth Freis "Die Wiener Handarbeit als nationales Leitbild", von Ines Peper "Die Wiederentdeckung(en) der Hand- spinnerei", von Sonja Windmüller "Do it ... with Rubbish". Zum Wechselverhältnis von Do it yourself und Abfall(-diskurs)" und von Nikola Langreiter "Weibliches Handarbeiten - (anti-)feministische!? von besonderem Interesse. Lisbeth Freiss nimmt die vorindustriellen textilen Handarbeits- techniken in den Fokus, die die Aufmerksamkeit von Kunst, Industrie Mode und Bildungseinrichtungen im 19. Jahrhundert erlangten. Die Praktiken der weiblichen Handarbeit fungieren als Leitbild für ein national vereinheitlichendes österreichisches Identifikationsmuster.

    Beispiele hierfür lassen sich auch in Deutschland finden. Die historisch-politische Auseinandersetzung und die Rolle der Frau in allen sozialen Schichten taucht in die Gender- problematik dieser Zeit ein. Die Rolle der Printmedien dieser Zeit mit ihren Handarbeitsanleitungen wird von Freiss als koloniale Strategie in der Programmatik zur staats- und nationalpolitischen Vereinnahmung der weiblichen Handarbeit durch die Habsburgermonarchie konstatiert. Dieser Aufsatz zeigt die Mehr- perspektivität des Themas textile Kulturtechniken exemplarisch auf und bietet vielerlei Diskussionstoff für Lehrveranstaltungen. Ines Peper nimmt das historische Phänomen des Handspinnens in den Blick, das mit der Spinning Jenny mehr und mehr in den Hintergrund geriet.

  • Sie widmet sich der deutschsprachigen Handspinnszene, die seit der 1990er Jahre als Nischenkultur entstand. Ihr stellt sich eindringlich die Frage nach den hier verbundenen Geschlechter- konstruktionen. Der Vergleich der historischen Gepflogenheiten zum Handspinnen 2:0 in der Gegenwart zeigt den Bedeutungswandel. Sie spricht von der Begeisterung für altes Handwerk mit rückwärtsgewandter Nostalgie und innovativem Potenzial, das sich aus einer ökologisch orientierten Gegenwelt entwickelt mit dem Wunsch nach Selbstverwirklichung durch schöpferische Handarbeit und der Kreativität der Hände im Privaten.

    Diese Form der Gestaltung kann eine Form von politischem Aktivismus sein, der dem eigenen Lebensstil Ausdruck verleiht. In einem weiteren Kapitel wird das DIY als emanzipatorische Praxis näher ausgeführt. Auch sehen wir die Genderproblematik in Bezug auf Handarbeit und Weiblichkeit diskutiert.

    Der Bogen zur digitalen Welt mit BlogerInnen und PodcasterInnen wird erfolgreich gespannt und der Bedeutungswandel deutlich. Ebenfalls ökologisch ausgerichtet ist der Beitrag von Sonja Windmüller. Für sie ist Abfall als Material und Konzept ein ökonomische, ästhetische und sozialipolitische Ressource für DIY-Praktiken und -Konzepte. Sie bezeichnet sich als Abfallforscherin mit der Thematik Recycling und Nachhaltigkeit, Themen, die in den Bildungsplänen der allgemeinbildenden Schulen fest verankert sind. Welt reparieren, Müllberge lesen, sinnliche Qualität des Ab- falls, Umwertungen - eine soziale Betrachtung, unterstützt durch das Projekt "mitumBACK", dessen Bezeichnung aus dem Wort "mitumba", das in Afrika für die europäischen Altkleiderspenden verwendet wird, die auf die afrikanischen Märkte gelangen und dort verkauft werden.
    Ein interessanter Ansatz, der es Wert ist in der Bildung verbreitet zu werden. Klara Löffler weist den Ausdrucksformen des "Selbermachens" in den biografischen Phasen unterschiedliche Akzentuier- ungen und Bedeutungen zu. Es steht immer zwischen Arbeit und Freizeit, Produktion und Konsum. Diverse wissenschaftliche Aussagen werden herangezogen, um die Ambivalenz der Tätigkeits- und Ausdrucksformen des Individuums im Alltag mit seinem gemein- schaftlichen Bezug zu durchleuchten. Einerseits ist es Identitätsarbeit, andererseits eine soziale Teilzeit-Praxis.

    Die Vielfalt des DIY spiegelt sich in den Aktivitäten der Individuen in ihrer Lebensbiografie wieder. Es sei immer ein Geflecht aus sozialen und ökonommischen und historischen Relationen, bei denen unterschiedliche Beziehungen zu Menschen, Räumen, Dingen und Lebensführung hergestellt werden. Die gesammelten Beiträge sind wissenschaftlich breit angelegt und sehr ertragreich für all diejenigen, die sich intensiv mit dem Phänomen des "Selbermachens" auseinandersetzen. Es werden zahlreiche Erklärungsmuster abgegeben, mit denen in unterschiedlichen Situationen begründet werden kann, warum jemand etwas selber macht!

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  • Lehnert, Gertrud; Weilandt, Maria (Hg.): Ist Mode queer?   Neue Perspektiven der Modeforschung.
    2016, 222 Seiten, 29,99 €.
    ISBN 978-3-8376-3490-7.
    transcript: Bielefeld.

  • Der Band 7 der Fashion Studies schafft Verbindungen zwischen Queer-, Gender- und Modeforschung mit dem Aspekt, neue Perspektiven auf Mode zu erschließen.

    In 15 Beiträgen werden systematische Reflexionen und exemplarische Analysen. Exemplarisch seien hier die Aufsätze „Queere Mode/Körper“ (Gertrud Lehnert), „Imaginäre Stofflichkeiten“ (Mari-Luise Angerer) und „Miss-Gestalten“ (Julia Burde) genannt, in denen besonders auf Mode, Kleider und Accessoires eingegangen wird.

  • Das Konzept Queer eröffnet die Verschiebung von Bedeutungen. Der Blick auf die Normierungen von Mode wird neu konstituiert. Der aufmerksame Leser wird mit verschiedenen Ausformungen von Mode konfrontiert, die nicht immer eindeutig in eine bestimmte Richtung hingerichtet sein muss.

    Das lässt viel Raum selbst über die Bedeutungszusammenhänge nachzudenken auf der Basis der Mode-, Gender- und Queerforschung.

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  • Witt, Eva: Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie in China im 21. Jahrhundert. Lösungsansätze zur zeitgemäßen Umsetzung sozialverträglicher Unternehmenspolitik.
    2016, 274 Seiten, 96,80 €.
    ISBN 978-3-8300-8976-6.
    Verlag Dr. Kovac: Hamburg.

  • Globalisierung der Bekleidungsindustrie mit ihren komplexen Produktions- und Handelsbeziehungen ist das Thema dieser Dissertation. China hat in diesem globalen Wettbewerb schon immer eine bedeutende Rolle eingenommen, die sich mit dem Quotenfall des Weltfaserabkommens 2004 nochmals verstärkt hat. Die chinesischen Ex- portzahlen steigen weiter ohne dass ich die Produktionskosten erhöht hätten.

    Die Schlüsse, die sich bezüglich der Arbeitsbedingungen, der Löhne, der Arbeitssicherheit und der gesund- heitlichen Versorgung der Angestellten ziehen lassen, werden von der Autorin herausgearbeitet.
    Der mangelnde Einfluss von CoCs (Codes of Conduct), NGOs (Non Government Organisations), Social Audits sowie die westliche und chinesische Presse wird dargestellt.

    Eine besondere Position nimmt die Problematik der Arbeitsverträge, Mindestlöhne, Überstunden, Diskrimi- nierung, Zwangs- und Kinderarbeit ein. Die rechtliche Umsetzung und das Fehlen von institutionellen Einrich- tungen zum Schutz der Arbeiterinnen und Arbeiter werden aufgezeigt.

  • Das wirtschaftliche Wachstum Chinas geht auf die junge Bevölkerung zurück. Diese ist sogar bereit in städtische Produktionszentren umzusiedeln.

    Diese Situation wird sich jedoch in den nächsten Jahrzehnten drastisch ändern (Ein-Kind-Politik). Die Verfügbarkeit junger Billigarbeitskräften wird drastisch sinken. Der Druck auf Löhne wird damit steigen. Die Verlagerung der Pro- duktionsstandorte hat bereits eingesetzt. Die Verlagerung wirtschaftlicher Akti- vitäten Chinas ist bereits begonnen.

    Das komplexe Wechselspiel der einzelnen Einflussfaktoren in der Wertschöpfungskette von Textilien und Bekleidung werden akribisch nachge- zeichnet. Es wird offengelegt, dass die westlichen Organisationen und Institu- tionen einen wesentlichen Beitrag lei- sten könnten, eine nachhaltige Unter- nehmenspolitik in China zu initiieren.

    Das Buch ist mit zahlreichen Statistiken und Abbildungen ausgestattet und schafft einen exemplarischen Überblick zu internationalem Wettbewerb und der Nachhaltigkeit in der Mode- und Bekleidungsindustrie.

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Letzte Änderung: Sa, 27.01.2018